Das Umweltteam der Kirchengemeinde Bubenreuth

Das Umweltteam der Kirchengemeinde Bubenreuth ermittelt Einsparpotenziale.

Bild: ELKB

Kirchengemeinden

Umwelt- und Klimaschutz in Kirchengemeinden

Umwelt- und Klimaschutz in schwierigen Zeiten – wie Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen auch mit wenig Geld viel erreichen können. Ein Interview mit Klimaschutzmanagerin Esther Ferstl.

Wie können Kirchengemeinden in Zeiten von Hitzerekorden, Dürre und Energieknappheit trotzdem einen Beitrag zum Klimaschutz leisten? In einem Interview im September 2022 beantwortete Esther Ferstl, Klimaschutzmanagerin der bayerischen Landeskirche, diese wichtigen Fragen für Kirchenvorsteherinnen, Kirchenvorsteher und Ehrenamtliche.

Kirchengemeinden und Kirchenvorstände beschäftigen sich immer wieder mit Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes. Warum sind diese Themen jetzt besonders wichtig?

Ferstl: Gerade in diesem Sommer merken wir es wieder ganz extrem: Wir brechen immer wieder Hitzerekorde, und Teile von Bayern haben schon seit Monaten keinen richtigen Regen mehr gesehen. Alle Klimamodelle sagen voraus, dass das in den nächsten Jahren nur noch extremer wird.
Zusätzlich hat uns dieser schreckliche Krieg auch vor Augen geführt, wie gefährlich es ist, von fossilen Ressourcen und einzelnen Ländern abhängig zu sein. Nur ein massiver Ausbau der erneuerbaren Energien und vor allem eine starke Reduktion unseres Energieverbrauchs werden uns unabhängiger und klimafreundlicher machen.

Wofür möchten Sie sensibilisieren?

Ferstl: Dafür, dass wir alle unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten können und müssen. Immer wieder hört man: „Ja, sollen doch mal die Politik und die Industrie anfangen, wir können ja gar nichts ausrichten.“ Aber das stimmt nicht! Die Kirche in Deutschland ist nach der öffentlichen Hand eine der größten Beschafferinnen in diesem Land. Wenn wir uns dazu entscheiden, nur mehr saisonale und regionale Produkte aus ökofairem Anbau zu kaufen, dann können wir den Markt durchaus beeinflussen. Und so das gilt für all unsere Entscheidungen – auch als Privatpersonen.

Wo sehen Sie gerade die größten Herausforderungen?

Ferstl: das Anfangen. Wer mit Umwelt- und Klimaschutz beginnen will, steht erstmal vor so vielen Herausforderungen, dass man leicht überfordert wird. Häufig werden zudem nur die zu investierenden Finanzen betrachtet, zum Beispiel für einen Heizungstausch. Dass eine neue Heizung auf Dauer aber nicht nur viel CO2, sondern auch viel Geld spart (Stichwort CO2-Steuer), das wird leider oft übersehen.
Außerdem ist nicht überall bekannt, dass man auch mit wenig Geld viel erreichen kann.

Klimaschutz vor Ort – was kann jede Gemeinde ohne großen Aufwand tun?

Ferstl: Eine ganze Menge – darüber kann (und hat) man (schon) ganze Bücher füllen. Da die Wärmebereitstellung der größte Emittent in den Gemeinden ist, sind Maßnahmen in diesem Bereich besonders effizient: Sie sparen am meisten CO2, aber auch viel Geld ein. Die meisten Kirchen müssen zum Beispiel im Prinzip gar nicht geheizt werden - damit die Besucher:innen nicht frieren, reicht eine Sitzbankheizung während des Gottesdienstes. Aber auch andere Maßnahmen, wie das Anbringen von Bewegungsmeldern, damit das Licht im Flur nicht dauerhaft brennt, die Anpassung von Veranstaltungszeiten an den ÖPNV-Fahrplan oder das Einrichten einer Tausch- und Reparaturbörse tragen zum Klimaschutz bei.

Und nicht zu vergessen: Eine wichtige Stärke von Kirche, die auch dem Klimaschutz helfen kann, ist die Kommunikation. Wer immer wieder aktiv darauf hinweist, welche Maßnahmen gemacht werden und den Leuten auch erklärt warum und welchen Effekt das hat, kann weit über die Grundstücksgrenzen seiner Kirche hinauswirken und wirklich etwas bewegen. Aber wie gesagt: Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos. Wir haben deswegen viele davon auf der Webseite www.umwelt-evangelisch.de zusammengefasst.

Klimaschutz vor Ort kann auch komplex und teuer werden – wo können Kirchenvorstände Unterstützung bekommen?

Ferstl: Das stimmt, gerade wenn es um baufachliche Fragen geht, ist es wichtig, eine Expertin oder einen Experten hinzuzuziehen. Dafür wenden Sie sich am besten an Ihre zuständige Baubetreuung oder an die Architektinnen und Architekten der Landeskirche.

Aber natürlich können sich Kirchenvorstände und alle anderen Engagierte mit allen Fragen rund um den Umwelt- und Klimaschutz immer bei uns Klimaschutzmanagern - Maximilian Boltz und ich, Esther Ferstl - melden. Bei uns bekommen Sie Hilfe, egal ob es um den Tausch einer Heizung, Fragen rund um das Thema nachhaltige Mobilität, die Installation einer PV-Anlage oder die passenden Fördermittel dazu geht.

Wer noch gar nicht weiß, wo er oder sie in der Kirchengemeinde anfangen soll, kann sich auch einen unserer kostenlosen Vorträge anhören, in denen wir in knapp eineinhalb Stunden die wichtigsten Aspekte einzelner Themen kompakt zusammenfassen.

Hans Diefenbacher

Cover des Buches Hans Diefenbacher: Wie man beginnen kann – Umwelt- und Klimaschutz in Kirchengemeinden

Wie man beginnen kann – Umwelt- und Klimaschutz in Kirchengemeinden

Die vorliegende Broschüre will Anregungen vermitteln, wie man sich in der praktischen Arbeit in einer Gemeinde den Themen Umwelt und Nachhaltigkeit zuwenden kann. Eine Publikation der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e. V. – Institut für interdisziplinäre Forschung - Heidelberg.

Haben Sie einen Tipp für Gemeinden, die effektiv Energie sparen wollen, aber im Moment kaum an Mittel, alternative Technik oder Handwerker herankommen?

Ferstl: Neben dem allseits bekannten Rat „drehen Sie überall wo möglich, die Heizung herunter“, rate ich den Gemeinden vor allem immer: notieren Sie regelmäßig Ihre Zählerstände! Nur so finden Sie heraus, wo Sie besonders viel Energie verbrauchen und können gezielt Maßnahmen setzen. Wer diese Daten zusätzlich in unsere Software „Das Grüne Datenkonto“ einträgt, sieht zusätzlich wie gut sich das eigene Gebäude im Vergleich mit anderen schlägt und wo noch Potential ist.

Außerdem kann man viele Kleinigkeiten selber machen: Zeitschaltuhren sind günstig und verhindern, dass Strom verbraucht wird, wenn z.B. nachts keiner da ist, Hinweisschilder können daran erinnern, am Ende einer Veranstaltung die Heizung wieder abzudrehen und wer zum Beispiel auf das Warmwasser in den Toiletten verzichtet, spart eine ganze Menge Energie ein. Zum hygienischen Händewaschen braucht es nämlich nur kaltes Wasser und Seife.

Kirchengemeinden stehen aktuell vor der Herausforderung, dass Versorger – insbesondere bei Gas - bestehen Verträge kündigen, keine neuen Verträge annehmen oder die Preise massiv erhöhen (müssen) – was raten Sie ihnen?

Ferstl: Das ist tatsächlich ein Problem, dem wir nicht viel entgegenzusetzen haben. Energie sparen so gut es geht, ist das sicherste Mittel um über den Winter zu kommen. Wer kann, schließt sich mit der Nachbargemeinde, den Katholiken oder anderen Akteuren zusammen und beheizt nur ein gemeinsam genutztes Gebäude (sogenannte „Heizkooperation“) während alle anderen nur frostfrei bleiben sollten. Langfristig müssen wir natürlich auf Technologien umrüsten, die nicht nur unabhängig von anderen Staaten sind, sondern vor allem auch klimafreundlich. Schließlich hat sich die ELKB das Ziel gesetzt bis 2035 treibhausgasneutral zu sein!

Manchmal ist es gut, die Themen vor Ort zu besprechen – was ist da möglich?

Ferstl: Wir Klimaschutzmanager kommen auch sehr gerne vor Ort und sehen uns die genauen Probleme und Herausforderungen an. Kirchenvorstände, aber auch andere interessierte Gruppen, können uns jederzeit einladen – egal ob es dann um einen Vortrag oder Workshop geht, der ein bestimmtes Thema stärker beleuchten soll, oder ob wir gemeinsam ein passgenaues Konzept für die Gemeinde erstellen.
Schreiben Sie uns am besten eine E-Mail und wir vereinbaren einen Termin mit Ihnen.

Dipl. Ing. Esther Ferstl, Bild: © ELKB

Bild: ELKB

Esther Ferstl

Esther Ferstl ist Klimaschutzmanagerin und arbeitet im Team der Umwelt und Klimaarbeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

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